Text B2a

Aus Keine Klasse
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Grünlich weisse Gischt. Kurzatmig gluckernde, schnappende Welle.

Zwischen den Wellenbergen schimmert weisslich aufgequollen Haut. Fingerlanges schwarzes Haar, in dem sich brauner Seetang verfangen hat. Leblos, blass, versehrt. Aus einem Loch im Kopf rinnt rötliches Salzwasser. "Scheisse! Scheissqualle!" Die verbissene Zunge schmerzt. Die Entsagung brutal beendet. Schwerfällig steigt Xaver aus dem Wasser. Kämpft sich den scharfsandigen Strand hinauf. Ihm war im Grunde nicht nach trinken zumute. Aber es war das einzige, was gegen diese Melancholie helfen konnte.

Triefend begab er sich schlurfend in Richtung des kleinen Städtchens, auf der Suche nach seiner Bar. Sein Frotiertuch hat er im Hotel vergessen. Aber das kümmerte ihn nicht. Statt Bar fand er nur eine grosse Uhr. Horloge. Darunter ein Torbogen, der sich zum Denken geradezu anbiederte, also nahm er seine Kappe ab und rieb seinen Schädel an der Säule des Torbogens. Rauf, runter, rauf runter, aber das einzige was passierte, war, dass sich Steinstaub von der Säule löste und zu Boden schneite, vielleicht waren es auch Schuppen oder Salz.

Der Seetang hing ihm immer noch über die Ohren ins Gesicht. Volleres Haar hatte er sich sowieso schon lange gewünscht. Ob der Unterschied aus der Entfernung wohl zu erkennen ist?

Aus einer kleinen Gasse nähern sich zwei Frauen. Trockene Mäntel. Eiliger Schritt. Gleichschritte. Vertieft in ein angeregtes Gespräch würdigen sie den Badegast keines Blickes. Sie gehören hier hin.

Xaver schaute ihnen nach. Eine peinliche Traurigkeit kroch an seinem Seetang hinauf, bohrt sich mit winzig kleinen Windungen in seine Kopfhaut. Er tastete langsam auf beiden Seiten seines Gesichts vom Kinn über die Wangen hoch zum Scheitel. Seine Finger senkten sich.


Unbearbeiteter Rohtext, Dialektik der Koproduktion B2a (2 Menschen, 1 Maschine), 12.02.2018

Bezüge: