Text B2c

Aus Keine Klasse
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protokoll dialektik am meer

das neonlicht der decke taucht den rahm in eine leicht ungemütliche spital-atmosphäre auf einem regal neben dem fisch, an dem die beiden schreibenden sich über eine alte scheidegger beugen, brennt ein kleines oranges lämpchen sie hantieren mit rosa zetteln - scheinen darauf etwas zu lesen in meinen ohren "i'm a welder" von diesem sänger, dessen namen mir grade nicht einfällt auf dem fisch sind wahllos mützen, mcbooks, kekse, wasserflaschen, löffel, brieftaschen, bücher,krüge,schlüssel und handys verteilt auf dem koffer der schreibmaschine liegt ein pappteller mit einem letzten rest panettone kuchen. er macht komische tippende bewegungen mit beiden händen - tippt jedoch nichts sie scheinen zu diskutieren, inwiefern das geschreibsel auf den rosanen zettel sinn ergeben könnte sinn

das regal, auf dem auch das orangene lämpchen steht, hat vier etagen. auf der untersten liegen farbflaschen, pinsel in einer teetasse, pappgeller als mischpulte und klebeband. auf dem zweiten das A4 druckerpapier, welches ich mal in einem der druckerräume geklaut hatte

die luft im container ist stickig und trocken seit die heizung repariert, und es nicht mehr kalt und feucht ist

auf dem dritten tablar liegt nur Abfall

zuoberst steht besagtes oranges lämpchen neben einem stapel von bücher - primär literatur. brigitte fontaine singt 'le goudron' in meine ohren "quel bonheur d'être née"

sie beginnen zu tippen S schaut die Frau neben sich mit einem fragenden lächeln an sie beginnt zu lachen und schüttelt die Hände wenn ich etwas hören würde, wäre es nun wahrscheinlich das tippen der Schreibmaschine


an einem zweiten fisch in der ecke sitzt noch eine - zur wand gedreht - und tippt in ihren laptop auf dem fisch befinden sich mehrere essensbehälter, eine riesige handgetöpferte schale und ein papiersack der hiesigen mensa ich wäre gern am meer…oder in den bergen. irgendwo, wo nicht zu helles neonlicht auf meinen kopf scheint. mit einem feuer - über dem feuer würde ich dann etwas braten…ich hab hunger

der container hat auf allen vier seiten fenster und ist innen so hell beleuchtet, dass man von überall her hineinsehen kann. manchmal bekomme ich dann so ein klaustrophisches gefühl…ich stelle mir vor, dass ganz viele menschen an den scheiben kleben und uns beobachten - genau so, wie ich die beiden schreibenden an ihrem fisch jetzt beobachte.

sie schauen einander fragend an. er nimmt einen der grossen rosaroten zettel in die hand. gemeinsam gehen sie den zettel durch, als suchten sie nach etwas bestimmtem. einem wort, oder dem verbleib der geschichte - oder nach ihrem fortgang. sie scheinen nicht fündig zu werden.


ich schweife ab - der wetterbericht der nächsten tage sieht durchzogen aus. nun hält sie das grosse papier in der hand und diktiert. sie scheinen den fortgang der geschichte gefunden zu haben.

An der wand des containers hängen verschiedene zettel : Container Probleme? Zeitplanung Plakate?

über dem einen fisch hängt eine karte zürichs das orange Lämpchen auf dem gestell wirft einen leichten schatten auf das lüftungsloch über ihm die beiden schreibenden tippen weiter und schauen sich immer wieder erwartungsvoll an. die geschichte scheint sich nun schneller zu entwickeln als anfänglich erwartet, was ich den raschen tippbewegugen seiner finger entnehme. wieder konsultieren sie einen der grossen rosa zettel

ich muss nachher einkaufen:

tupperware, blumenkohl zitrone eier aubergine fisch ricotta bifidus himbeere apfel pfeffer thaucurry paste klopapier


Unbearbeiteter Rohtext, Dialektik der Koproduktion B2b (1 Musik hörende Voyeurin), 12.02.2018

Bezüge: